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GLEIMHAUS Museum der deutschen Aufklärung Gleimbibliothek [G 17]

Sieges-Lied der Preußen nach der Schlacht bey Lowositz, den 1ten October 1756

Sieges-Lied der Preußen nach der Schlacht bey Lowositz, den 1ten October 1756 (Gleimhaus Halberstadt CC BY-NC-SA)
Provenance/Rights: Gleimhaus Halberstadt (CC BY-NC-SA)

Description

In Gleims Dichtung erscheinen viele Einzelheiten, wie sie in Kleists Brief vom 3. Oktober geschildert sind; so etwa der Angriff der preußischen Kavallerie, der mehrfach zurückgeschlagen wurde. Doch verfügte Gleim neben den Briefen Kleists über wesentliche weitere Informationen. Er hatte sich nach Kräften um solche bemüht, so etwa auch um Feldpost von Soldaten aus Halberstadt und Umgebung. Gleim bedurfte dieser Nachrichten als Quellenmaterial der historiografischen Darstellung des Krieges, die er im Sinn hatte. So sind etwa die markanten Schilderungen des auf einer Trommel sitzend seine Schlacht planenden Königs sowie die Munitionsknappheit aus den Briefen Kleists nichts zu erfahren.
Abweichend von den heute akzeptierten Darstellungen suggeriert Gleim ein planvolles Vorgehen und die Souveränität des Königs von Anfang an. Tatsächlich wurden die preußischen Truppen überraschend angegriffen und agierten in Unkenntnis der gegnerischen Truppenaufstellung. Der dichte Nebel an diesem Oktobertrag trug das seinige zu der Verwirrung der Heerführer bei. Friedrich hatte die Schlacht bereits verloren geglaubt und vorübergehend das Feld verlassen.
In allen seinen Äußerungen über die Schlesischen Kriege vertrat Gleim die Argumente des Königs und dementsprechend die Überzeugung von der Gerechtigkeit der preußischen Sache. Aus dieser Überzeugung erwuchs ihm die Gewissheit des Beistandes Gottes. Dies sind Motive, die sich leitmotivisch durch Gleims Kriegslieder ziehen.
Die Schlacht bei Lowositz war das erste Treffen des Krieges, sie war diejenige, die den Ruf nach der Darstellung im gehobenen Stil hat laut werden lassen, und sie war der Gegenstand von Gleims wohl erstem Kriegslied. Dieses indes entstand doch erst rund ein dreiviertel Jahr nach der Schlacht und Kleists Brief. Bis dahin hatte man sich in Gleims Freundesnetzwerk gegenseitig diesen literarischen Auftrag zugeschoben (Gleim, Uz, Ramler, Lessing).

Gott donnerte, da floh der Feind!
Singt, Brüder, singet Gott!
Denn Friederich, der Menschenfreund,
Hat obgesiegt mit Gott.

Bei Außig sahen wir den Held;
Wie feurig brannten wir,
Zu stehn mit ihm in Siegesfeld!
Nun stehen wir es hier.

Er ging, mit einer kleinen Schar,
Den Siegesweg voran!
Und schlug, wo Feind zu schlagen war,
Und macht uns reine Bahn!

Wir hatten Nacht, er aber nicht.
Du, hoher Paschkopoll!
Sahst ihn, im Helden Angesicht,
Den Mars und den Apoll!

Auf einer Trommel saß der Held,
Und dachte seine Schlacht,
Den Himmel über sich zum Zelt,
Und um sich her die Nacht.

Er dachte: »Zwar sind ihrer viel,
Fast billig ist ihr Spott!
Allein, wär’ ihrer noch so viel,
So schlag ich sie mit Gott

Das dacht er, sahe Morgenroth,
Verlangen im Gesicht!
Der gute Morgen, den er both,
Wie munter war er nicht!

Sprang auf von seinem Heldensitz,
Sprach: »Eh noch Sonne scheint,
Kommt, Helden! hinter Lowositz,
Zu sehen meinen Feind

Da kamen Wilhelm, Bevern, Keith,
Und Braunschweigs Ferdinand!
Vier grosse Helden, weit und breit
Durch ihren Muth bekannt.

Auch drangen andre Helden sich
Den großen Helden nach,
Zu stehen neben Friederich,
Zu horchen, was er sprach!

Frey, wie ein Gott, von Furcht u. Graus,
Voll menschlichen Gefühls,
Steht er, und theilt die Rollen aus
Des grossen Trauerspiels!

Dort, spricht er, stehe Reuterey,
Hier Fußvolk! - Alles steht
In großer Ordnung, Schreckenfrey,
Indem die Sonn aufgeht.

So stand, als Gott der Herr erschuf,
Das Heer der Sterne da;
Gehorsam stand es seinem Ruf
In grosser Ordnung da!

Die Sonne trat mit Riesenschritt,
Auf ihrer Himmelsbahn
Hervor, daß wir mit ihrem Tritt
Auf einmal vor uns sahn;

Ein unaufhörlich Kriegesheer,
Hoch über Berg und Thal,
Panduren, wie der Sand am Meer,
Kanonen ohne Zahl!

Und stuzten, Helden wohl erlaubt,
Nur einen Augenblick;
Ein Haarbreit schlugen wir das Haupt,
Doch keinen Fuß zurück!

Denn alsobald gedachten wir
An Gott und Vaterland;
Stracks war Soldat und Offizier
Voll Löwenmuth, und stand.

Und näherte dem Feinde sich,
Mit gleichem grossen Schritt,
Halt! sagte König Friederich,
Halt, da war es ein Tritt.

Er stand, besah den Feind und sprach,
Was zu verrichten sey;
Wie Gottes Donnerwetter brach
Hervor die Reuterey!

Huy! sagte Roß und Mann zugleich,
Flog mit Geprassel, ließ
Land hinter sich, bis Streich auf Streich,
Auf Panzer Panzer stieß!

Zu muthig jagte sie, zu weit,
Den zweymal flüchtgen Feind,
Der mehr durch Trug, als Tapferkeit,
Uns zu bezwingen meint.

Denn, ihrer Hitze viel zu früh,
Hemmt ihres Schwerds Gewalt
Kartetschenfeuer unter sie,
Aus tückschem Hinterhalt!

Wie boshaft freut der Ungar sich,
Dem List, nicht Mut gelung!
Sie flieht zurück, und Friederich
Hält ihre Musterung.

Ha! Vater Bevern! riefen wir,
Uns, uns Patronen her!
Denn deinem armen Grenadier
Ist schon die Tasche leer.

Wenn er nicht Pulver wieder hat,
So hat er hier sein Grab!
Die Hunde regnen Kugelsaat
Von ihrem Thurm herab!

Stürzt, sprach er, sie von ihrem Thurm
Mit Bajonet herab!
Wir thaten es, wir liefen Sturm,
Wir stürzten sie herab.

Wir rissen Mauern ein, Pandur!
Erstiegen deinen Schutz!
Und boten, Tieger von Natur,
Dir in die Nase Trutz!

Du liefest, was man laufen kann;
Du sprungest in die Stadt!
Wir riefen, »Alles hinter an,
Was Herz im Leibe hat!«

Der tapfre Wilhelm aber nahm,
Und führte bey der Hand
Dich, Müller! an, und plötzlich kam
Pandur und Stadt in Brand!

Und Brüder, Braun, der Kluge wich,
Voll Helden Eifersucht;
Ließ uns und unserm Friederich
Das Schlachtfeld, nahm die Flucht.

Wer aber hat durch seine Macht
Dich, Braun! und dich, Pandur!
In Angst gesetzt, in Flucht gebracht?
Gott, der auf Wolken fuhr!

Sein Donner zürnte deinem Krieg
Bis spät in schwarze Nacht.
Wir aber singen unsern Sieg,
Und preisen seine Macht!

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8°, 16 S.

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