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Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) Gemäldesammlung moderne_digital [MOI00320]

Proun 30

Proun 30 (Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) CC BY-NC-SA)
Provenance/Rights: Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) (CC BY-NC-SA)

Description

Die Moderne ist untrennbar mit der Idee verbunden, Kunst müsse die Gebundenheit an herrschende Verhältnisse überwinden, also deren akademische Mythisierung und Dekoration. Kunst sollte erlöst werden von ihren traditionellen Funktionen und die Utopie einer freien Gesellschaft bereits in sich selbst tragen. Kaum ein Künstler ist dabei so weit vorgestoßen wie der Russe El Lissitzky (1890-1941). Wenn am Ende des 19. Jahrhunderts der Wille, alle Künste in einem Gesamtkunstwerk zusammenzuführen, programmatischen Charakter erhielt, hat niemand hier Ähnliches erreicht wie Lissitzky. Er entwarf als Architekt, Typograf, Ausstatter, Bühnenbildner, Plakatgestalter, Maler, Zeichner, Plastiker, Fotograf, Collagist und Theoretiker ein System gestalterischer Grundlagen, das nicht nur die Kunst, sondern alle Bereiche der urbanen Wirklichkeit durchdringen sollte, um eine "einheitliche Weltstadt des Lebens aller Menschen des Erdballs" zu ermöglichen. Wie in einen Brennpunkt treffen diese Bestrebungen in seiner Serie "Proun" zusammen (die russische Abkürzung für das "Projekt zur Verfechtung des Neuen"). Lissitzky verstand seine "Proune" als die "energetische Leistung der Kunst …, die Leere in Raum zu verwandeln, das heißt in eine erfassbare, für unsere Sinne geordnete Welt". So sind die konstruktivistischen Gestaltungen der "Proune" vor allem als Vorstufen zu verstehen, vom Gegenstand zur Formklärung und von dort zu synkretistischen Räumen zu gelangen. 1923 wird Lissitzky seinen ersten "Prounenraum" auf der "Großen Berliner Kunstausstellung" realisieren. Es folgten weitere in Dresden, Köln und Moskau. Die in Halle befindlichen Arbeiten entstanden alle zwischen 1919 und 1923 und geben eine Vorstellung davon, wie Lissitzky das Durchdringen von Formelementen, die Verteilung gedeckter und transparenter Flächen durchbuchstabiert, als ob er ein eigenes Raum-Form-Alphabet schaffen wollte. Seine um 1921 entstandene und in Moskau herausgegebene Mappe fasst diese Bestrebungen als Lithografien zusammen. Die Besonderheit der Arbeiten, die sich in der Moritzburg befinden, ist jedoch, dass hier die Weiterentwicklung der Ideen als Unikate, als gezeichnete, collagierte, gemalte Prounen vorliegen. Sie gehören zu den kostbarsten Zeugnissen der künstlerischen Avantgarde in den frühen 1920er-Jahren.
El Lissitzky war Visionär. Er sah das Konzept seiner Proun-Kunst als Gesamtheit einer neuen Weltordnung, in der die Menschen ihre Sinne mittels des technischen Fortschritts perfektionieren konnten (Proun ist ein Akronym für "pro-UNOVIS", "Projekt für die Verfechtung des Neuen" und bezieht sich auf die Künstlergruppe UNOVIS, der Lissitzky angehörte). Er strebte nach einer sowohl architektonischen als auch gesellschaftlichen Neuformung und bezeichnete die Malerei als "Haltestelle auf dem Weg zur Architektur". Seine Werke sollten realisierbar und den Menschen zweckdienlich, "Proun-" Kunst auf die verschiedenen Gegenstände des täglichen Gebrauchs anwendbar sein. So sollten beispielsweise Möbel und Geschirr entsprechend dieser Kunstauffassung gestaltet werden. Die entscheidende Gemeinsamkeit der einzelnen Proun-Werke ist wohl die Suggestion sich bewegender Flächen und Körper, die ihrerseits eine Bewegung des Betrachters provozieren. Auch Proun 30 spielt mit diesen Elementen.
Auf den ersten Blick wirkt das Bild eher statisch und von flächigen Gebilden bestimmt, doch bei längerem Betrachten scheinen sich die einzelnen Elemente zu drehen, zu rutschen und zu kippen.
Im Vordergrund zieht ein rechter Winkel den Blick des Betrachters auf sich, zwei Streben fügen sich zu einer zarten gegenständlichen Einheit zusammen, die zum Betrachter geneigt, in einer fallenden Bewegung aus dem Bild zu kippen scheint.
Der leichte Farbverlauf von grau zu beige verleiht dem aufstreben Teil des Konstruktes eine Dreidimensionalität, die vom Schwarz der Querstrebe verstärkt wird.
Dahinter steht ein Objekt, welches an ein hochkant stehendes Brett erinnert und auf dessen geneigter Deckfläche ein weiteres Element leicht überstehend liegt. Es vermittelt den Eindruck herunterzurutschen, sodass man versucht ist, die Hand auszustrecken, um es aufzufangen. Diese perspektivische Darstellung wird jedoch dadurch gebrochen, dass das vermeintliche Brett im unteren Bereich transparent zu sein scheint und aufgrund der Farbigkeit der dahinter stehenden rautenförmigen Figur ein Wechselspiel aus Fläche und Raum entsteht. Man hat den Eindruck einer optischen Täuschung, da hier sowohl mit der Materialität als auch der Perspektive gespielt wird.

Material / Technique

Öl auf Karton

Measurements ...

495 x 395 mm

Painted ...
... who:
... when

Relation to places ...

Literature ...

Tags

Object from: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)

Seit 1904 ist in der Moritzburg das hallesche Kunstmuseum untergebracht, zunächst nur mit seinen kunsthandwerklichen Beständen, ab 1921 auch mit ...

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[Last update: 2019/03/28]

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