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GLEIMHAUS Museum der deutschen Aufklärung Handschriftensammlung [Hs. A 7736 (Karsch 1215)]

Brief A. L. Karschs an J.W.L. Gleim vom April 1791

Brief A. L. Karschs an J.W.L. Gleim vom April 1791 (Gleimhaus Halberstadt CC BY-NC-SA)
Provenance/Rights: Gleimhaus Halberstadt (CC BY-NC-SA)

Description

"im Aprill 1791
Mein wieder neugebohrner Gleim
Ich habs gewagt mich annzumelden
Mitt Sylbenmaaß und Reim
Inn jenem Himmel wie die Helden
Und Dichtter Hand ann Hand vertraut auf blumen gehen
Die Ewig junng und Ewig schön
Am Uhrquell alles Lichts im vollen Galnnze pranngen,
Ich werde bald dahinn gelanngen
Wo Tyrtaüs, und Horaz und Kleist
Cäsar und Friedrich miteinnannder
Den Pyrus und den Allexander
Den Scipio und Cincinat
begrüßen im Vorrüberschweben /
Ich werde nict die Zeit der Saat
Im nächsten Herbst erleben,
Für meine Schwächen ist kein Raht,
Mein Geist bleibt unngeschwächt im altten beingehaüse,
Mein Aug ist hell, mein Kopf ist frey
Und eh diß Jahr mitt Seinem Tagen
Vorrüber flieht im weitten Raum -
Ich kann von einem stuhle kaum
Mich bis zum anndern Tragen
Gezwungen binn ich dann und wann
Zu den befehl, hohlt einem Wagen,
Der Magd befehl ichs freundlich ann
Denn Mürrischen befehl zu sagen
Hab ich mir niemahls anngewöhnt - /
Daß fahren scheint mir zu behagen
Und dennoch wird Trepauf gestöhnt
So daß die freunde mich beklagen,
Doch warum stör ich dir dein fest
Durchs Vorgewinnsel einer schwäche
Die mannchen Tag mich zweiffeln läßt
Daß ich noh einmahl Rosen breche -
Und bester freund was will ich noch
Inn dieser Weltt, wo man aus vollen
Ergrimmtten Herzen frägt, Madam Sie werden doch
Nicht Ewig leben wollen?
So frug der bösewicht Frannz Mohr,
Warrum hatts Schiller auffgeschrieben?
Warrum sagt Ers den Mennschen vor
Die nichts als Ihren Willen lieben
Und denen viel zu lannge schon
Der Dorn im Auge ist geblieben - /
Die wie Frannz Mohr so kek, so leicht
So schmuzig sprechen von der Reue
Daß Sie nur einem Eßen gleicht
Was man verschlukt und von sich speye,
bey Gott, den schröklichen Senttenz
Hört ich mit meinem Ohr selbst ann der Taffelrunde
Der allerersten Ecxellenz
Aus wolbekanntten Munde -
Wem solts gelüsten lännger hier
Zu bleiben, untterm schmacherdulden?
Gottlob es ist bald aus mitt mir
Ich zahltte zehnfach alle schulden
Der Jugend, und der folgezeit,
Mitt Wucherzinnsen must ich zahlen
Mein Lösetag ist nicht mehr weit
Schön wird Er mir entgegen strahlen
Und bis Er kömmt, laß ich nicht ab
Zu denken und zu schreiben
Dich lieb zu haben bis inns Grab
Und inn den Himmel Dein zu bleiben
A. L. K."

Material/Technique

Handschrift auf Papier

Measurements

1 Doppelbl. 8°

Written ...
... Who:
... When
... Where

Relation to time

Keywords

[Relation to time] [Relation to time]
1701 - 1800
Written Written
1791
1700 1802

Object from: GLEIMHAUS Museum der deutschen Aufklärung

Das Gleimhaus ist eines der ältesten deutschen Literaturmuseen, eingerichtet im Jahr 1862 im ehemaligen Wohnhaus des Dichters und Sammlers Johann ...

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