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Museum Wolmirstedt Plattdeutsches Sprachgut [P_8]

Erlebnisse als Lehrer

https://st.museum-digital.de/data/san/resources/audio/201408/28164450936.mp3 (Museum Wolmirstedt RR-F)
Provenance/Rights: Museum Wolmirstedt (RR-F)

Description

"Ich weiß noch ganz genau, da gings um zusammengesetzte Substantive, in der 3. und 4. Klasse glaub ich. Hab ich da angezeigt, zwei Stühle wie die sich zusammensetzen, dazwischen die Lippe usw. „Herr Etterwindt, Sie wären ein ganz gewiefter Mehrstufiger, doch das seh ich schon. Obwohl, euch wird immer der Makel der Gewächshauserziehung anhaften. Weil es eben zu schnell ging alles. Richtiges Studium Jahrelang wäre besser. Aber Sie sehen ja was los ist.“ Und eines Tages, Sonnabends wieder, da kam er rein in die Klasse mit einem Zettel bzw. einem Schriftstück: „Herr Etterwindt ich hab ein Brief bekommen vom Schulrat, weil ich PG war, [ja, Parteigenosse], darf ich kein Russisch geben, tut mir leid.“ Mensch dacht‘ ich, jetzt musst du Russisch geben und der kanns. „Tja, tut mir, was soll ich machen.“ Ich nach Hause zu meinem Cousin, ich sage; Paulchen, gib mir doch mal die Russisch-Fibel. Da hab ich über Sonnabend die Russischfibel so bis Seite 50 gelernt.
Sonnabend, Sonntag - montags ging der Russisch-Unterricht los. Wir hatten Russisch gehabt, beim Vater Runke; da geh ich oft vorbei am Friedhof, sein Grab ist da am Weg. Wer schon Tschechisch konnte, der kam ja mit Russisch klar. Naja das ging so 14 Tage hin, hab mich so durchgemusselt. Dann kam er wieder und sagte: „Herr Etterwindt, jetzt haben wir wieder ein Schreiben gekriegt. Jetzt darf ich wieder.“
Und eines Tages, im Winter 46 – das war ein kalter Winter; 14. März 1947 hats erst getaut – da kam der Bürgermeister und sagte: „Herr Lehrer, tut mir leid, wir müssen die Kohlen wegholen. Der Bäcker hat keine Kohlen mehr. Brot ist wichtiger als Lernen erst mal. Ich sehe es nicht ein, aber wir haben keine Kohlen.“ Mussten wir die Schule schließen, jeden Nachmittag einmal hin, Hausaufgaben aufgeben, dann wiederkommen lassen nachmittags. Ohne zu heizen, dass hätte nicht gelohnt, für eine Stunde zu heizen. Haben wir uns dick angezogen, dann kamen die alle. „Pass auf, zu morgen diese Kästchen und diese Reihe. Nach Hause, die Nächsten. Das war ganz schön kompliziert. Na das sind so Erlebnisse, die man so im Hinterkopf hat."
"Du warst ja selber noch recht jung."
"Ja, ich war 18."
"Ist das immer akzeptiert worden?"
"Nein! Als ich bei Kohnerts wohnte, da musste ich ja praktisch durchs ganze Dorf defilieren. Da hab ich gesehen, wie sich die Gardinen alle bewegten, drehste den Kopf, zack waren se wieder gerade. Naja die waren neugierig auf den neuen Kanter – auf den kleinen Kanter oder den neuen Kanter – Aber die Leute merkten, dass mans ehrlich meinte, sich Mühe gab, gerecht war, nett zu den Kindern, das ist wichtig. Die hatten ja alle, ein großer Teil viel mitgemacht auf der Flucht. Die haben Liebe und Zuwendung gebraucht. Und eines Tages kam einer an, Siegfried Raschke hieß der, der strahlte mich an und sagte: „Jetzt hab ich ne Tafel“ Er kriegt das Ding raus und sagt: „Gestern bei dem Sturm ist eine runtergekommen von Sommermeis Scheune.“ Eva Haberer, als ich da Geburtstag hatte, als ich 19 wurde, da hat sie mir einen Zettel, ein Zeichenblatt mit einem Herz ausgeschnitten und dann so gewischt nach außen. Und da in dem Herz da stand drin: „Du bist mein Glück, du bist mein Stern, auch wenn du schimpfst hab ich dich gern.“.".

Material / Technique

Tonaufnahme

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Dauer: 3:45 min

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1995
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1995
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1995
1994 1997

[Last update: 2017/12/14]

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