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GLEIMHAUS Museum der deutschen Aufklärung Grafiksammlung [Ca 10019]

Les Amours du Bocage

Les Amours du Bocage (Gleimhaus CC BY-NC-SA)
Provenance/Rights: Gleimhaus / Gleimhaus (CC BY-NC-SA)

Description

Les Amours du Bocage (Der Vogelkäfig / Die Liebenden im Gehölz)
bez.: N. Lancret pinxit // N. De Larmessin Sculpsit
beschr.: Que cet heureux Oiseau, que votre main caresse. /
Est bien recompensé de sa Captivité! // Le Berger qui
vous sert avec tant de tendresse / Est moins libre et
moins bien traitté.

Keiner kann sagen, dass hier nicht ›etwas im Busche‹ ist. Der Kupferstich nach Lancrets Gemälde trägt den
Titel: Die Liebenden im Gehölz. Damit kann auch keiner sagen, mit den Vögeln und dem Käfig habe es nicht eine spezielle Bewandtnis. Vögel symbolisierten vielfach das männliche Genital. Eine weitere symbolische Bedeutung des Vogels im Käfig lautete auf süße Gefangenschaft, die Gefangenschaft des Herzens (vgl. Goodman 1995, S. 261, 264). Kultur und Bildwelt des Rokoko kennen den Vogel auch als Haustier, als Objekt der Zärtlichkeit und als Zier zur Erhöhung der Schönheit vergleichbar der Blume. Als muntere Unterhalter spielen die Singvögel und Papageien eine wichtige Rolle und damit in Verbindung auch der Vogel als Geschenk. Das Vogelfangen, das Vögeln, war eine Volksbelustigung. Schließlich waren viele Vogelarten auf der Speisekarte geschätzt. Eine ausdrückliche und im engeren Sinne symbolische Ebene hat die Malerei im Rokoko weitgehend aufgegeben. Stattdessen malt man sinnlich – durch die Sinne erfahrbar und nicht durch das Wort, den Gedanken, das Wissen, das Kombinieren. Diesem Modus der Sinnlichkeit entspricht der empfindende, oder wie man auch sagt ›empfindsame‹ Betrachter. Wie ist nun das Vogel-Motiv im vorliegenden Fall zu verstehen? Die Körpersprache zeigt die Dynamik der Kommunikation der Geschlechter: Sie ist neugierig auf den Vogel im Käfig. Er nimmt diese Neugier, die durch die Anwesenheit einer Zuschauerin gesteigert wird, wahr und nutzt sie aus, hält den Käfig entfernt von ihr. In ihrer gewachsenen Neugier reckt sie sich hinüber, über seinen Schoß. Der Schäfer hält den Käfig eher noch weiter entfernt – und hilft ihr mit dem anderen Arm nach. Dem Betrachter, der diese List der Lust erkennt, wird dieses zum Amüsement gereichen. Dieses körperliche Geschehen ist allerdings im Originalgemälde (Alte Pinakothek München) wesentlich ausgeprägter als im Kupferstich. Im Kupferstich ist die körperliche Dynamik und damit die erotische Spannung der Hauptfiguren gegenüber dem Gemälde reduziert. Dies entspricht dem Gedanken des Gedichtes, das das Bild im Kupferstich begleitet. Hier wird tatsächlich eine symbolische Ebene angenommen, nach welcher der Vogel im Käfig für die süße Gefangenschaft der Liebe steht: »Wie wird dieser glückliche Vogel, den deine Hand umsorgt, so reichlich entlohnt für seine Gefangenschaft.« Dann jedoch wird dieses Bild ironisch gebrochen durch eine Liebesklage, die zusammen mit der Körpersprache als ausgeprägtes Flirtverhalten anzusehen ist: »Der Schäfer, der Ihnen mit so viel Zärtlichkeit dient, ist weniger frei und wird weniger gut behandelt.« Zwei heimlich beobachtende Knaben machen die Pikanterie des Vorgangs deutlich. Auch die Schäferin an der Seite hat sich der Szene zugewandt und lässt sich nichts entgehen.

Material/Technique

Kupferstich

Measurements

50,8 × 60,9 cm

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... Who:
Printing plate produced ...
... Who:
... When
Printing plate produced ...
... When [About]
... Where

Keywords

Printing plate produced Printing plate produced
1736
Printing plate produced Printing plate produced
1900
1735 1902

Object from: GLEIMHAUS Museum der deutschen Aufklärung

Das Gleimhaus ist eines der ältesten deutschen Literaturmuseen, eingerichtet im Jahr 1862 im ehemaligen Wohnhaus des Dichters und Sammlers Johann ...

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