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Landesmuseum für Vorgeschichte Halle Mittelbronzezeit (1.550-1.300/1.250 v. Chr.)

Collection: Mittelbronzezeit (1.550-1.300/1.250 v. Chr.) ( Landesmuseum für Vorgeschichte Halle )

About the collection

Seit dem 17. Jh. v. Chr. unterlag der mitteldeutsche Raum enormen gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüchen. Ursache hierfür war der Zerfall des frühbronzezeitlichen Wirtschaftsgefüges, das vormals die Überproduktion lokaler und alpenländischer Kupferwaren bis nach Skandinavien monopolartig absetzen konnte. Mitteldeutschland prosperierte lange in dieser Drehscheibenfunktion. Doch dann verlagerte sich der profitable Fernhandel mit begehrten Gütern wie Bernstein und Bronze auf Routen, die außerhalb dieses Machtbereichs lagen.

Plötzlich lag man hierzulande im wirtschaftlichen Abseits. Die extrem hierarchisierten und überregionalen Zentralherrschaften lösten sich auf, da den Regenten die ökonomische Macht entglitt. Festzustellen ist ein Bevölkerungsschwund sowie ein Aufsplittern in regionale und lokale Gruppen mit eigenem Trachtschmuck. Hierarchien gab es zwar weiterhin, doch flacher gestuft. Die zentralfürstlichen Monopole waren gebrochen. Größere Bevölkerungsteile hatten nun Zugriff auf Bronzegüter.



Im Mittelelbe-Saale-Gebiet dominierten die Ausläufer zweier großer Trachtprovinzen, die sich anhand ihrer Gewandnadeln unterscheiden lassen. In den nördlichen Teil strahlte die Lüneburger Gruppe aus; die südlichen Regionen waren von der osthessisch-thüringischen Gruppe der Hügelgräberkultur beeinflusst.

Unberücksichtigt sollen in diesem Zusammenhang einige wenige Brandbestattungen der frühen Lausitzer Kultur im westlichen Sachsen-Anhalt bleiben, die sich auch nach Jahrzehnten der Forschung chronologisch nicht genau einordnen lassen, da in ihnen datierbare Bronzen fehlen. Wahrscheinlich kann auch für sie eine Datierung in das ausgehende 14. Jh. v. Chr. -analog zu den entsprechenden Fundkomplexen in Sachsen - angenommen werden. Über die genaue zeitliche Tiefe besteht jedoch auch in Sachsen Unklarheit.



Bestattungssitten:

Prinzipiell hielt man im Bestattungsbrauchtum weiterhin an der Einzelgrabsitte fest. Allerdings änderte sich die Körperausrichtung des Leichnams wie auch die Grabform grundlegend. Die Toten wurden nun ebenerdig auf dem Rücken unter einem Grabhügel bestattet, weshalb diese Phase auch Hügelgräberzeit (1550-1250 v. Chr.) heißt. Nur in Ausnahmefällen beherbergte ein Hügel mehrere Mitglieder einer Familie - den ranghöchsten Mann im Zentrum, umgeben von den weiteren Personen. Doch im Unterschied zur vorangegangenen Gepflogenheit erhielten nun nicht nur Fürsten und Häuptlinge, sondern weitaus breitere Teile der Bevölkerung Trachtschmuck oder Waffen mit ins Grab. Und anders als zuvor legte man auch Wert auf eine geschlechtsabhängige Grabausstattung. Mit diesen individuellen Beigaben ließ man noch im Tod sowohl seine kulturelle als auch gesellschaftliche Zugehörigkeit erkennen. Die Popularisierung der Waffenbeigabe ist aber auch ein Hinweis auf die notwendige Wehrhaftigkeit zu Lebzeiten. Offenbar ist es politisch unruhiger geworden.



© Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt - Landesmuseum für Vorgeschichte; Grafik: Karol Schauer

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