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Landesmuseum für Vorgeschichte Halle Mittlere Altsteinzeit/Mittelpaläolithikum, (250.000-40.000 vor heute)

Collection: Mittlere Altsteinzeit/Mittelpaläolithikum, (250.000-40.000 vor heute) ( Landesmuseum für Vorgeschichte Halle )

About the collection

Mit dem Auftreten des archaischen Homo sapiens vor 300 000 Jahren in Mitteleuropa und dem offensichtlich mit ihm verbundenen entwickelten Acheuléen, einem Kulturkreis mit Faustkeilen und weiter entwickelten Schlagtechniken, beginnt das älteste Mittelpaläolithikum - auch an anderen Stellen im übrigen Europa, in Nordafrika, der Levante und Vorderasien. Bekannte Fossilfunde des frühen Homo sapiens stammen von Steinheim an der Murr und von Swanscombe (England) sowie von La Sima de los Huesos, einer Höhle bei Atapuerca (Nordwestspanien). Einige dieser Fossilfunde führen weiter zum Neandertaler (Homo sapiens neanderthalensis) des jüngeren Mittelpaläolithikums, während andere, z. B. der 200 000 Jahre alte Mensch von Ehringsdorf, auch als ein direkter Vorläufer des modernen Menschen, des Homo sapiens sapiens, gelten kann.

Als eine wichtige kulturelle Erscheinung gegenüber dem Altpaläolithikum ist die Aufspaltung der Artefaktinventare der Fundstellen in zahlreiche Formengruppen anzusehen.

Mit den Fundstellen wie Markkleeberg, Zwochau, Breitenfeld, Bertingen und Naumburg tritt zu Beginn der Saalekaltzeit zum ersten Male im mittleren Elbe-Saale-Gebiet die Faustkeilkultur auf. Sie beschränkt sich auf Feuersteinartefakte, die an der Basis der Flussschotter von Saale, Elster und Mulde in umgelagertem Zustand angetroffen werden.

Im jüngeren Mittelpaläolithikum herrscht ein warmfeuchtes Klima mit thermophilen Eichenmischwälder mit Burgenahorn, Stechhülsen, Gagelstrauch, Hirschzungenfarn und Lebensbaum enthalten die Reste von längeren Aufenthalten von Jägern und Sammlern in der Nähe der Travertingewässer.

Vor allem Steinartefakte und zerschlagene Tierknochen, die die Jagd auf Nashörner, Hirsche, Wildrinder, Wildpferde und auch Waldelefanten belegen, kommen vor. Im Fundhorizont von Taubach wurden mehrere menschliche Zähne mit neandertaloiden Merkmalen gefunden. Die Inventare sind arm an Gerätetypen. Neben Abschlägen, die von präparierten Kernsteinen (Diskuskerne) gewonnen wurden, kommen vor allem einfache Schaber, gezähnte und gebuchtete Geräte vor. Als warmzeitliche Inventare sind ihre Artefaktausmaße wieder relativ klein. Hier überwiegen Abschläge als Messer, gezähnte Geräte und Schaber. Offensichtlich sind diese typenarmen Inventare wieder durch ihre besondere Ökonomie - Jagdaufenthalte - geprägt.

Das Mittelpaläolithikum endet in Mitteleuropa mit den so genannten »Blattspitzen-Gruppen«. In höchster Meisterschaft flächenretuschierte dünne und flache Blattspitzen sind der krönende Ausdruck für mittelpaläolithische Bearbeitungstechnik von Steinwerkzeugen. Nach verschiedenen Funden außerhalb unseres Gebietes werden sie in die Zeit um, eher vor 40 000 datiert. Der Fundhorizont Ranis 2 aus der Ilsenhöhle im oberen Orlatal verkörpert eine solche Blattspitzengruppe. Sie wird dicht vom Horizont Ranis 3 überlagert, der Artefakte des Aurignacien enthält. Schon danach muss der Blattspitzenhorizont von Ranis älter als 40 000 vor heute sein. Wir setzen ihn mit einer interstadialen Schwankung kurz nach dem fünften relativ kalten Stadial an, das mindestens um 55 000 vor heute beendet war.

Wir können vom Elbe-Saale-Gebiet ausgehend nichts über das Schicksal des Mittelpaläolithikums und seiner Kulturträger aussagen, ob eine Ablösung durch das Jungpaläolithikum und den anatomisch modernen Menschen oder eine Integration, wahrscheinlich sogar Weiterentwicklung über gegenseitige Diffusion stattfand.



© Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt - Landesmuseum für Vorgeschichte; Grafik: Karol Schauer

This collection has following parts

Rastplatz Neumark-Nord, Lkr. Saalekreis (ca. 200.000 Jahre vor heute) [11] Show objects
Elefantenschlachtplatz Gröbern, Lkr. Bitterfeld (ca. 125.000 Jahre vor heute) [1] Show objects
Jagdlager von Königsaue, Salzlandkreis (min. 80.000 Jahre vor heute) [10] Show objects

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