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Landesmuseum für Vorgeschichte Halle Jagdlager von Königsaue, Salzlandkreis (min. 80.000 Jahre vor heute)

Collection: Jagdlager von Königsaue, Salzlandkreis (min. 80.000 Jahre vor heute) ( Landesmuseum für Vorgeschichte Halle )

About the collection

Fundstelle: Die Fundstelle lag am nördlichen Ufer des ehemaligen Ascherslebener Sees, 1 km südlich des Ortes Königsaue. Hier erhob sich inselartig der Große Bruchsberg über das »Seeländereital«, das sich mit 12 km Länge und 2,5 km Breite zwischen Aschersleben und Gatersleben sowie den Flüssen Eine und Selke erstreckt. Am Fuße dieses Berges befand sich ca. 15-17 m unter der Oberfläche der Seeniederung eine ältere, von Sedimenten verhüllte Uferterrasse. Sie bot einen idealen Siedlungsplatz für den mittelpaläolithischen Menschen.



Fund: Die Spuren mehrerer saisonaler Jagdlager lagen mehr als 15 m tief unter Beckenablagerungen des Ascherslebener Sees verborgen. Sie wurden in den wärmeren Jahreszeiten von Jägern angelegt, die sich hier aufhielten und viele Male zurückkehrten, um am See und in seiner Umgebung zu jagen.

Insgesamt fanden sich fast 6.000 Steinartefakte zumeist einfacher Art, wie Kratzer, Schaber und Stichel. Von diesen heben sich 17 allseitig flächig präparierte Keilmesser und Faustkeilblätter höchster Qualität markant ab.

Keilmesser und Faustkeilblätter sind technische Modifikationen des Faustkeils. Faustkeilblätter sehen wie große Lanzenspitzen aus, Keilmesser erinnern mit ihrem breiten, stumpfen Rücken und der Schneide an Schlacht- und Tranchiermesser.

In Königsaue werden drei Siedlungshorizonte (A-C bzw. Königsaue A-C) im Torf der Uferterrasse unterschieden, die durch sterile Schichten voneinander getrennt sind und im Verlauf von vielen Jahrzehnten entstanden. Ihre Steinwerkzeuge unterscheiden sich in ihrem Typus stark voneinander. Nur für die mittlere Schicht B (Königsaue B) ist sicher, dass die Hinterlassenschaften mit dem Neandertaler zu verknüpfen sind. Bei den beiden anderen ist das nicht gewiss.



Fundumstände: 1963 und 1964 bei Notgrabungen im Braunkohletagebau geborgen.



Datierung: Zweite Warmphase der Weichseleiszeit, Mittlere Altsteinzeit, mindestens 80.000 Jahre vor heute



Bedeutung: Von diesem Platz stammt der älteste künstlich hergestellte Werkstoff der Welt. Die vorzügliche Bearbeitung der Steinwerkzeuge zeigt das große handwerkliche Geschick der Urmenschen.



© Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt - Landesmuseum für Vorgeschichte; Grafik: Karol Schauer

This collection is part of

Mittlere Altsteinzeit/Mittelpaläolithikum, (250.000-40.000 vor heute) [9]

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