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Johann-Friedrich-Danneil-Museum Salzwedel Doppelmadonna aus der Salzwedeler Gertraudenkirche

Doppelmadonna aus der Salzwedeler Gertraudenkirche

Diese beiden in Ausführung und Größe annähernd gleichartigen Marienfiguren stammen aus der Salzwedeler Gertraudenkirche. Sie dienten wahrscheinlich ehemals als Doppelmadonna zur Aufhängung in der Kirche, möglicherweise als Marienleuchter.
Beide Figuren sind rückseitig ausgehöhlt, eine weist unten eine große Bohrung auf, die dazu bestimmt gewesen sein kann, ein Gestänge oder eine Kette aufzunehmen. Derartige Doppelfiguren haben sich in der Altmark in Stendal (Marienkirche), Gardelegen (Marienkirche, dort als Anna Selbdritt) und in Gehrendorf bei Oebisfelde erhalten, sind aber darüber hinaus für die Mark durch schriftliche Nachrichten häufig belegt.
Am Wolkenkranz einer der Madonnen befindet sich ein angenageltes, fragmentarisches erhaltenes kleines Metallstück, welches wohl als mittelalterlich anzusehen ist und vielleicht mit der ehemaligen Funktion (Leuchter?) zusammenhängt.

Die Figuren sind nicht identisch, sondern weichen in signifikanten ikonographischen Details voneinander ab. Eine der Madonnen steht auf einer Mondsichel mit prägnantem Mondgesicht, während die andere auf einer Art Fels steht. Darunter befinden sich in beiden Fällen blaue Wolken.
Die Mondsichelmadonna trägt das Jesuskind auf ihrer linken Seite, sie ist gekrönt, während das Gegenstück einen Rosenkranz auf dem Haupt trägt und das Kind auf der Rechten hält. In der Hand hält sie einen weiteren Rosenkranz.

Die Figuren sind von herausragender Qualität und schnitzerisch sehr fein und exakt ausgeführt. Auffällig ist, dass die Edelsteinborten des Mantels nicht appliziert sind, sondern aus dem Eichenholz herausgearbeitet wurden. Die Figuren sind schlank und in stoffreiche, geraffte Mäntel gekleidet, welche in feinen, sehr differenziert ausgearbeiteten Falten fallen. Das Kleid darunter fällt jeweils säulengleich in vertikalen, leicht gebrochenen Röhrenfalten zu Boden.
Das Kind ist in beiden Fällen relativ klein und fragil und scheint in lebendiger Bewegung zu sein.
Die Gesichter der Madonnen sind ein gedrungenes Oval mit zugespitztem Kinn. Die Augen stehen recht weit auseinander, Mund und Nase dagegen nah zusammen.

Die Fassung der Skulpturen ist zu bedeutenden Teilen erhalten. Die Mäntel der Madonnen sind polimentvergoldet, innen zinnoberrot, die Kleider verschwärzt (ehemals Silberauflage), die Schuhe rot.
Der Fels, auf dem die Madonna mit Rosenkranz steht, ist bleigelb und weiß gefasst.

Diese Madonnen gehören zu den besten Skulpturen dieser Zeitstellung nicht nur in der Altmark, sondern in ganz Norddeutschland. Ihre Einordnung ist bisher unklar. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die bedeutende Werkstatt der Salzwedeler Doppelmadonna in Lüneburg ansässig war.
Die dendrochronologische Datierung ergab ein Datum um/nach 1487 (kein Splintholz vorhanden).

[ 2 Objects ]

Maria ist in einer Doppel-S-förmigen Haltung dargestellt. Sie trägt eine Krone und
hält das Christuskind auf dem linken Arm.
Die Farbgestaltung lässt sich anhand der großflächig erhaltenen Fassungsteile rekonstruieren: Der goldene Mantel war mit einer Borte aus Perlen und Silberkordel gesäumt. Das Innenfutter des Mantels war azuritfarben, das Kleid versilbert. Der spitze Halsausschnitt ist mit einem imitierten Pelzbesatz verziert, das Kleid mit einer weißen Kordel gegürtet, der Saum ist nicht betont. Die Schuhe waren rot.
In ihrer rechten Hand hält Maria den Rest eines ehemals rot gefassten Attributs.
Um den Hals trägt sie eine (unvollständig erhaltene) rote Korallenkette mit großen Kugeln (D:1 cm), welche ursprünglich über den Halsausschnitt des Kleides und den rechten Arm des Christuskindes herabhing. Die frei hängenden Teile sind weggebrochen, einen Teil mit sechs Perlen hält der Knabe in seiner rechten Hand.

Der Christusknabe selbst trägt ebenfalls eine Korallenkette, welche eng am Hals anliegt und kleinperlig ausgeführt ist. Am linken Handgelenk sieht man einen roten kleinen Rosenkranz oder auch noch einen Schmuck (?), ansonsten ist der Knabe unbekleidet.
Das Gesicht des Mondes war ursprünglich versilbert und erscheint heute verschwärzt, Haar oder Haube des Mondes sind in Bleigelb gefasst, die versilberte (?) Mondsichel befindet sich auf einem blauen Wolkengekröse.

Maria steht in Doppel-S-förmiger Haltung und hält das Christuskind im rechten Arm.
Sie hat langes, gelocktes Haar und trägt einen Blumenkranz auf dem Kopf.
Der Halssaum imitiert einen weißen Pelzbesatz. Die Innenseite des Gewandes ist zinnoberrot. Am Untergewand sind Reste verschwärzter Metallauflagen auf Bolus (Silber ) erhalten, am Saum ein weißer Kreidegrundschnitt (wohl eine Pelzimitation). Die Schuhe sind zinnoberrot, am linken Handgelenk trägt sie einen doppelreihigen Kranz aus roten Rosen.
Die Madonna steht auf einem bleigelb mit weiß gefassten Felsen (?), welcher von einem blauen Wolkenband umrandet ist.
Die Inkarnate von Maria und dem Christuskind sind sehr blass angelegt. Soweit es die geringen Reste an originaler Substanz und die einfache optische Betrachtung zulassen, ist zu vermuten, dass der Christusknabe vergoldetes, kurzlockiges Haar hatte, ansonsten ist er nackt nur mit einem Kreuz an roter Kordel behängt.

Die Plastik ist aus einem halbierten, entkernten Eichenstamm mit zwei Astansätzen geschnitzt. Einer davon befindet sich im Bereich des linken Arms der Madonna, zeigt jedoch keine Rissbildung, der andere im Saumbereich des Gewandes der Madonna. Hier markiert sich die typische sternförmige Rissbildung durch die Fassung hindurch, obwohl dieser Holzbereich mit feiner Leinwand überklebt wurde.

Weitere Leinwandbeklebungen sind besonders an den "Höhen" der Plastik zu verzeichnen, d.h. an den am weitesten außen liegenden Faltenkanten, am rechten Armansatz der Madonna und im Gesicht. Sie deuten möglicherweise auf Verwendung (aus Sparsamkeitsgründen) von Silber und Goldlack hin. Über die Faltenhöhen zieht sich diese Verschwärzung nicht.