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Johann-Friedrich-Danneil-Museum Salzwedel Teile eines Flügelaltars aus Binde

Teile eines Flügelaltars aus Binde

Im Museumsbestand befinden sich umfangreiche Fragmente eines Flügelaltars aus der Dorfkirche Binde.
Dazu gehören neben einem Altarflügel mit acht Heiligenfiguren in zwei Registern außerdem zwei einzelne Heilige und zwei Reliefs (Einhornverkündigung und Geburt Jesu). Dabei entspricht die heutige Zusammenstellung der Skulpturen nicht mehr der originalen Situation.
Stapel (1913) berichtet außerdem von „einzelnen Ornamentstücken mit Rundbögen und Trauben“, also wohl Schleierbrettern. Solche rundbogigen Schleierbretter mit Trauben bzw. Schoten gibt es auch bei einem ähnlichen Retabel aus der Kirche von Thielbeer. Dort befinden sich auf den Flügelrückwänden allerdings keine Namen, sondern aufgemalte Attribute, um die Standorte der jeweiligen Heiligen anzuzeigen.
Zu Stapels Zeit war neben dem zweiten Flügel auch der Altarschrein mit Marienfigur noch vorhanden. Jene war von ursprünglich vier Reliefs in zwei Registern flankiert, wovon schon damals nur noch die Verkündigung und die Geburt (beide oben links und rechts neben der Maria) vorhanden waren.
Wahrscheinlich ist sie mit einer heute in der Dorfkirche von Kuhfelde befindlichen identisch, da diese sowohl derselben Werkgruppe zuzuordnen ist als auch zu Stapels Beschreibung passt..

Die noch heute vorhandenen Heiligenfiguren waren damals über beide Flügel folgendermaßen verteilt:
Linker Flügel, oben: Elisabeth, Erasmus, Stephanus, Katharina (laut Stapel befand sich hier gemäß Inschrift ursprünglich jedoch Jacobus)
Linker Flügel, unten: keine Figuren mehr
Rechter Flügel: Magdalena, Diakon, Fehlstelle, bärtiger Heiliger mit Buch
Rechter Flügel, unten: Barbara, Fehlstelle, Andreas, Blasius mit Kamm (wohl Fehlinterpretation Stapel, hier ist gewiss der Apostel mit Messergriff – Bartholomäus – gemeint).

Zudem nennt Stapel noch die Figur eines Heiligen ohne Kopf und mit Buch, der sich nicht mehr nachweisen lässt.
Später wurden also die leeren Felder des rechten Altarflügels mit Skulpturen des anderen Flügels aufgefüllt. Schrein und linker Flügel sind verloren.

Das Retabel ist zu rekonstruieren wie dasjenige aus Thielbeer bei Arendsee (ein Nachbardorf von Binde, heute in der Magdeburger Sebastianskirche), welches aus derselben Werkstatt stammt. Im Schrein befindet sich dort die Madonna zwischen vier Reliefs, darunter Einhornverkündigung und Geburt (sowie Darbringung im Tempel und Epiphanie). In den Flügeln gibt es auch dort Heilige in zwei Registern, allerdings nur jeweils drei nebeneinander.

Die Heiligenfiguren stehen jeweils auf reich profilierten polygonalen Sockeln, die gemeinsam aus demselben Werkstück gearbeitet wurden. Die Mäntel der Skulpturen fallen durch die plastischen gebrochen Gewandfalten auf, die die Körper oft schwungvoll einhüllen und durchaus gekonnt modernes süddeutsches Formengut rezipieren. Die Köpfe sind kräftig modelliert, meist recht gedrungen mit relativ kleinen Nasen und Augen (besonders bei den Frauen). Die Formensprache des Schnitzers ist sehr prägnant und findet sich hauptsächlich in der nordöstlichen Altmark an zahlreichen Altarwerken wieder: So neben Thielbeer und Binde in Audorf, Dankensen, Dessau bei Arendsee, eine Madonna in Darnebeck, zwei Figuren in Storbeck und eine Madonna in Barsikow (Ostprignitz).

Die Figuren der verschiedenen Retabel sehen sich teilweise zum Verwechseln ähnlich, werden allerdings durch leichte Veränderungen in der Gewandstruktur variiert. Unterschiede bestehen vor allem hinsichtlich des betriebenen Aufwands: Während z. B. in Thielbeer und Binde die Figuren aufgesockelt sind, wurde in Audorf und Dankensen darauf verzichtet.

Die Werkstatt des Audorfer Retabels dürfte im letzten Viertel des 15. Jhdts. eine der führenden Werkstätten in Salzwedel gewesen sein. Dass sie tatsächlich dort ansässig war, ergibt sich aus der Verteilung der ihr zuzuweisenden Retabel, welche sich in einem begrenzten Radius um die Stadt befanden.

[ 5 Objects ]

Altarflügel aus Binde

Bei dem erhaltenen Stück handelt es sich um den ehemals rechten Altarflügel (Scharniere auf der linken Seite).
Er enthält heute acht Heiligenfiguren in zwei Registern. Ihre Zusammenstellung entspricht allerdings nicht mehr der originalen. Sie umfasst jetzt oben (von links nach rechts) Elisabeth, einen Bischof (laut Inschrift auf der Schreinrückwand, nach Stapel Erasmus), Stephan, einen bärtigen Apostel mit Buch. Unten befinden sich Andreas, Maria Magdalena, Barbara und Katharina.

Auf der Vorderseite sind umfangreiche Reste der mittelalterlichen Polychromie erhalten, die Malerei auf der Rückseite des Altarflügels ist verloren. Die Flügelrückwand ist teilweise mit Leinwand kaschiert, darauf befindet sich eine Polimentvergoldung mit einem gravierten Granatapfelmuster. Der Rahmen war ebenfalls polimentvergoldet und wies eine gravierte stilisierte Stabranke auf, hier ist die Vergoldung inzwischen fast vollständig vergangen. Die Zargeninnenseite ist rot und mit dem Schablonenmuster einer Blüte versehen.
Die Figuren tragen Mäntel bzw. Dalmatiken mit Polimentvergoldung, die Kleider waren differenziert farbig gestaltet (Azuritblau, Zinnoberrot, Krapprot), Grün, Silber oder Zwischgold, darauf befanden sich mit Farblack aufgebrachte Muster. Der Kreidegrund ist geritzt, um die Textilstruktur zu imitieren. Teilweise finden sich applizierte Pailletten (Papier oder Pergament?) auf den Kleidern.

Altarflügel aus Binde

Einhornverkündigung aus Binde

Interessant ist die Verkündigung, die sich als Abbreviatur der allegorischen Einhornverkündigung zu erkennen gibt, die in Salzwedel mit einem besonders prominenten Beispiel – dem Einhornretabel aus Kloster Dambeck – vor Augen stand.
Gut zu erkennen sind bei dem Relief aus dem Retabel von Binde die in einem ummauerten Garten sitzende Maria, der sich der Erzengel Gabriel nähert. Das Einhorn, das in ihrem Schoß Zuflucht gesucht hat, war sicher separat geschnitzt und fehlt heute. Auf die vier Hunde, die Tugenden verkörpern, wurde wegen der Platzknappheit verzichtet.
Im Hintergrund befinden sich ein Turm bzw. Tor und ein weiteres Gebäude, vielleicht der Altar mit dem grünenden Stab Aarons oder ein Torhaus.
Für die weiteren Allegorien aus dem Hohen Lied, die auf die Jungfräulichkeit Mariens anspielen, war aufgrund der geringen Dimensionierung kein Platz.

Einhornverkündigung aus Binde

"Geburt Jesu" aus der Dorfkirche Binde

Die Geburt findet vor einer Ruinenarchitektur mit Bogenstellung statt, die auf den Palast Davids in Bethlehem verweist. Die Figuren von Ochse und Esel waren eingesetzt, erhalten ist nur noch ersterer.
Diese Tiere fehlen in Thielbeer, allerdings nähern sich dort wie in Binde von beiden Seiten Hirten, wobei in Thielbeer der linke nur gemalt ist – ein für diese Werkstatt typisches Vorgehen. - Reliefs wurden durch Malerei vervollständigt.
Außerdem finden sich auch applizierte Materialien. So wurden die Kronenzacken eines Königs in Thielbeer aus Weißmetall (wohl Blei-Zinn-Legierung) gegossen.

"Geburt Jesu" aus der Dorfkirche Binde

Diakon aus einem Flügelaltar von Binde

Die Heiligenfigur steht auf einem reich profilierten polygonalen Sockel. Figur wie auch Sockel wurden gemeinsam aus demselben Werkstück gearbeitet. Der Mantel der Skulptur fällt durch die plastischen gebrochen Gewandfalten auf, die den Körper oft schwungvoll einhüllt und durchaus gekonnt modernes süddeutsches Formengut rezipiert. Der Kopf ist kräftig modelliert, recht gedrungen mit relativ kleiner Nase und Augen.
Die Formensprache des Schnitzers ist sehr prägnant und findet sich hauptsächlich in der nordöstlichen Altmark an zahlreichen Altarwerken wieder: So neben Thielbeer und Binde in Audorf, Dankensen, Dessau bei Arendsee, eine Madonna in Darnebeck, zwei Figuren in Storbeck und eine Madonna in Barsikow (Ostprignitz).

Die Plastik ist bis auf die fehlende rechte Hand und die Nasenspitze und einige Anobienlöcher holzseitig recht gut erhalten, die farbige Fassung ist in Resten, aber original erhalten und lässt eine farbige Rekonstruktion wie folgt zu.
Das jetzt dunkelbraun wirkende Haar könnte jedoch auch mit braunem Bolus unterlegt und dann versilbert worden sein. das Inkarnat ist weiß und rosa gehöht. Das kurzärmelige Obergewand weist eine Polimentvergoldung mit bunter Fransenborte in Rot, Silber, Grün, Silber, Rot, Grün, Gelb, Rot, Grün und Blau auf. Das Untergewand ist in Umbra oder Silber (?) gehalten - mit vereinzelter Goldauflage am Saum, der unter dem Obergewand hervorschauende Ärmel ebenfalls.
Der hohe, mehrfach gegliederte Sockel ist folgendermaßen gefasst (von oben nach unten): grün, blau, gold, silber, gold, blau, silber. Hier finden sich Anobienausfluglöcher.
Fehlstellen im Holz betreffen die Nasenspitze und den rechten Unterarm mit Attribut. Der Arm war vermutlich nur in die Ärmelhöhlung gesteckt. Außerdem gibt es einen kleineren Ausbruch am Sockelgesims.

Diakon aus einem Flügelaltar von Binde

Apostel mit Buch und Messer aus einem Flügelaltar von Binde

Die Heiligenfigur steht auf einem reich profilierten polygonalen Sockel. Sie hält in der linken Hand ein Messer und rechts ein Buch. Figur wie auch Sockel wurden gemeinsam aus demselben Werkstück gearbeitet.
Der Mantel der Skulptur fällt durch die plastischen gebrochen Gewandfalten auf, die den Körper oft schwungvoll einhüllt und durchaus gekonnt modernes süddeutsches Formengut rezipiert. Der Kopf ist kräftig modelliert, recht gedrungen mit relativ kleiner Nase und Augen.
Die Formensprache des Schnitzers ist sehr prägnant und findet sich hauptsächlich in der nordöstlichen Altmark an zahlreichen Altarwerken wieder, so neben Thielbeer und Binde in Audorf, Dankensen, Dessau bei Arendsee, eine Madonna in Darnebeck, zwei Figuren in Storbeck und eine Madonna in Barsikow (Ostprignitz).

Eine Vielzahl von Anobienausfluglöchern stört die ansonsten nahezu intakte Holzsubstanz mit ihrer relativ umfangreich erhaltenen und sehr gut ablesbaren Fassung.
Haupthaar und Bart sind eng gelockt und in Umbra gehalten, das Inkarnat wirkt sehr rosig. Der Mantel besitzt eine Polimentvergoldung mit Saumbetonung als Kreidegrundschnitt. Das Futter ist azuritfarben, das Gewand schwarz mit goldenem Saum und braunem Gürtel. Das Oberleder der Schuhe ist golden, die Sohle grau. Das Buch war schwarz (mit Ornamenten?), die Seiten jedoch in Bleizinngelb gehalten.
Der Sockel ist plastisch stark gegliedert und von oben nach unten in den Farben: Grün, Blau, Gold, Silber, Gold, Rot und Silber gefasst.
An der unteren Sockelleiste sind 3 Ausbrüche zu verzeichnen, außerdem sind die Schneide des Messers und eine Locke über der Stirn beschädigt.

Apostel mit Buch und Messer aus einem Flügelaltar von Binde