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GLEIMHAUS Museum der deutschen Aufklärung Elbstimmungen

Elbstimmungen

Ungezählt sind die Sonnenuntergänge oder allgemeiner: Lichtstimmungen, die Illies vom Falkenstein aus, einem Abschnitts des Hochufers der Elbe, malte. Zunächst malte er von der väterlichen Villa, dann auch von seiner eigenen aus. Der Blick gen Westen ging durch eine Schneise durch den Kiefernwald über die Elbe hinweg. Fast täglich konnte Illies das abendliche Lichtspektakel der untergehenden Sonne beobachten. "Von allem großen das größte waren aber die Sonnenuntergänge! Sie öffneten mir ein goldenes Tor nach dem anderen in unübersehbarer Folge. Wunschlos still staunte ich in die Farbenpracht hinein. Nur der Wunsch, dieses Wunder festzuhalten, wühlte in mir. […] Es war vermessen, diese erhabenste Manifestation göttlicher Schöpferkraft malen zu wollen; zehn, fünfzehn, zwanzig Pinsel waren nicht ausreichend, die Farben rein aufzusetzen! Ich ging dazu über, mehrere Teller um mich herumzustellen, einen mit Weiß und Blau, den nächsten mit Weiß und Grün, es nützte alles nichts, ich war so ohnmächtig so viel Glanz und so raschem Wechsel gegenüber. Wo der Himmel eben noch golden einen glühenden Feuerball umschloß, zog ein violetter Nebel unter leuchtendem Gelb-Grün dahin, von oben schattete schon ein durchsichtiges Stahlblau herunter, und wie in einer Opferschale ruhte der Abglanz des zum Paradies erhobenen Firmaments auf dem Wasser. Tiefer und tiefer wurde der schwarze Samt der Waldungen, dunkler und dunkler der Raum, Palette und Leinwand. Jetzt war es vorbei, und nur das Gefühl geblieben, unbeholfen gestammelt, ja gelogen zu haben, wo man beten und schweigen sollte. […] Ich dichtete damals: ‚In den schönsten bunten Farben / Sinkt am Horizont die Sonne, / Weckt im armen Staubgebor´nen Sehnsuchtsreiche, süße Wonne. // In dem unvergleichlich Schönen / Hat er Göttliches empfunden. / Staunend blickt er in die Farben - / Plötzlich ist die Pracht entschwunden. / Aus heraufgestieg´nem Dunkel / Lächelt klar der stille Mond.- / Erdensohn, kannst Du noch zweifeln, / daß kein Gott im Himmel wohnt?’" (Kat. Farben-Schöpfung, S. 98-99)

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